Auslandspraktikum Stockholm

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Auslandspraktikum Stockholm
Bericht für September 2019 – Alena Hänsel

ANREISETAG:
Am Donnerstag, den 5.September ging es für mich um 15:00 los nach Schweden. Nach einem relativ kurzen Flug und einer etwas längeren Busfahrt kam ich um 22 Uhr in Stockholm bei meiner neuen Wohnung an. Cathrin, meine Gastgeberin, ist bis Freitag den 15.9 verreist, daher begrüßte mich ihre Nachbarin. Mir fiel schon im Bus und im Taxi auf, dass in Schweden alle sehr gutes Englisch sprechen. In der Wohnung begrüßten mich zwei Katzen und ich fühlte mich direkt wohl. Nach einer kurzen Einweisung und einer lieben Notiz von Cathrin, bezog ich mein Zimmer. Da mein erster Tag um 7 Uhr beginnen sollte, musste auch das Auspacken noch warten.

ERSTER ARBEITSTAG:
God morgon! Pünktlich um 7 Uhr erschien ich bei der Haga Bageri. An einer kleinen Straßenecke gelegen ist der Eingang leicht zu übersehen, jedoch fand ich mich dank einem großen Schild und der Außenbestuhlung schnell zurecht. Ein paar Treppenstufen herunter stehe ich im Eingangsbereich. Links von mir der Verkaufstresen und die Produktion, rechts ein urig eingerichtetes Café mit roten Holzstühlen, vielen Pflanzen und Kerzen auf den Tischen. Am Tresen wurde Ich herzlichst von Astrid begrüßt, welche die Patisserie Abteilung leitet. Außerdem stellte sich Oscar, der Chef, vor, der gerade die Smörgås (Sandwiches) für den Tag belegte. Neben Astrid, die bereits seit 5 Jahren bei Haga ist, lernte ich Bea kennen, die seit Januar dabei ist. In der Bäckerei stehen Gigi und Johanna. Im Verkauf machte Alåna Kaffee. Das gesamte Team besteht bis auf Oscar nur aus Mädels, die alle höchstens ein paar Jahre älter sind als ich. Ich fühlte mich wie bei einer Gruppe Freunden, die zufällig alle denselben Beruf gewählt haben. Eine Hierarchie, wie ich sie aus deutschen Betrieben kenne, gibt es nicht. Man spricht sich mit Vornamen an, spaßt und lacht miteinander, und arbeitet ohne Druck und Stress. Interessant am Laden ist der Aufbau. Neben dem Tresen befinden sich direkt 3 Tische an denen wir arbeiten. Durch eine niedrige Glasscheibe haben die Kunden so direkten Blick auf alles was wir produzieren. Am Anfang fühlte ich mich davon leicht unter Druck gesetzt, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.

Meine erste Aufgabe war die klassischen schwedischen Prinsesstårta (Prinzessinentorten). Drei dünne Biskuits werden mit Himbeermarmelade, Sahne und Vanillekrem geschichtet und kuppelförmig eingestrichen um dann mit grünem Marzipan eingedeckt und mit einer Marzipanrose verziert. Von den 10 produzierten Torten waren nur 2 für den Laden. 8 wurden von Astrid mit Marzipan ausgarniert, z.B als Affe oder Hase, mit einem handgeschriebenen Glückwunsch zum Geburtstag. Außerdem produzierte ich Apfelkompott für die neue saisonale Apfel-Mousse Torte und ich rollte einige Choklad Ballen (Schokokugeln). Diese sind ebenfalls ein klassisches schwedisches Konditoreiprodukt. Besonders positiv fiel mir auf, dass sich alle sehr Mühe gaben nur auf Englisch zu sprechen und mich an allen Gesprächen teilhaben zu lassen. Die Sprachbarriere war absolut kein Problem, besonders da sich viele deutsche Wörter im Schwedischen wiederfinden. Natürlich half mir auch mein Sprachkurs. Die meisten Vokabeln in den Rezepten kamen mir bekannt vor, und meine wenigen Sätze auf Schwedisch sorgten für Lacher und Applaus. Des Weiteren freute es mich sehr als alle zusammen um 11 Uhr Lunch gegessen haben. Miriam kocht jeden Tag eine andere Soppa (Suppe) und wir durften uns alle bedienen. Nachdem alle zusammen geputzt haben endete der Tag für mich um 15 Uhr. Am Montag ging es um 6:30 weiter.

Das großes Highlight war am Dienstag die Herstellung der verschiedenen Bulle. Neben Semla sind Kannelbulle das Aushängeschild jeder Konditori. Es gibt sie klassisch als Kardamonbulle oder als Kannelbulle (Zimtschnecke/brötchen). Der schwere Hefeteig wird ausgerollt und mit Butter, Zucker und Zimt (oder gebrannter Butter und Kardamon) gefüllt. Dann wird er gefaltet und in dünne Streifen geschnitten. Die Streifen wickelt man zu einem Knoten, was sich als schwieriger als erwartet herausstellte, da bei zu wenig Spannung der Bulle auseinanderfällt, und bei zu viel der Teig reißt. Ich habe sehr viel Freude an der Arbeit, besonders weil alle extrem freundlich sind und niemanden meine tausend Fragen stören. Das Interesse an der deutschen Konditorei und Bäckerei ist auch groß, und so werde ich im Gegenzug auch ausgefragt.

Meine erste Freizeit in Stockholm verbrachte ich mit meinen schwedischen Freunden in Stockholm’s wunderschöner Altstadt ‚Gamla Stan‘ wo mir direkt wichtige Gebäude und Plätze gezeigt wurden. Wir verbachten den Nachmittag in Södermalm, der „hippen“ Gegend, wo wir uns in einem Café für Fika einfanden. So schön Stockholm auch ist, aber an den Cappuccino für 4,50€ und Croissant für 3,80€ kann ich mich nicht gewöhnen. Neben dem sehr guten Metro und Busnetz kommt man in der Stadt am besten zu Fuß oder mit den sehr beliebten E-Scootern voran. Man sieht sie genau so viel wie Fahrräder.

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